Wangens Bewerbung um eine Landesgartenschau

Besuch der Bewertungskomission
Übergabe der Bewerbungsunterlagen
Besichtigung des Bewerbungsmodells
Empfang auf dem Marktplatz

Die Wangener Bewerbung um die Ausrichtung einer Landesgartenschau hat beim Besuch der Bewertungskommission Anfang Juli 2009 großen Eindruck hinterlassen. Politik, Verwaltung und Bürgerschaft haben Geschlossenheit demonstriert und mit dem Konzept und seiner Präsentation überzeugt.

Den Ausgangspunkt der Wangener Bewerbung lieferte bereits im Frühjahr 2008 ein Besuch von Oberbürgermeister Michael Lang auf der Baustelle der Landesgartenschau in Bamberg. In Bamberg ist ein vergleichbares Spinnereiareal der ERBA Schauplatz der bayerischen Landesgartenschau 2012. Und von diesem Zeitpunkt an reifte die Entscheidung für die Wangener Bewerbung. Erste Untersuchungen des beauftragten Planungsbüros Senner aus Überlingen bestätigten die Machbarkeit einer Ausstellung. Mehr noch. Das Gelände erwies sich durch seine stadtnahe Lage als ideal. Fast 25 Hektar können für eine Landesgartenschau an Grünflächen im ERBA-Gelände und für den neu konzipierten Bürgerpark unterhalb des Gehrenbergs ausgewiesen werden. Die verkehrliche Erreichbarkeit und die naturräumlichen Gegebenheiten mit ursprünglichen Gewässern, topographischen Aussichtspunkten und Argenauen eignen sich nach Ansicht der Planer perfekt für die Modellierung der Ausstellungs- und Daueranlagen. Teile der alten Industriehallen der Spinnerei können als überdachte Veranstaltungsflächen für eine Landesgartenschau reaktiviert werden.

Schnell war auf Basis dieser Ideen der Gemeinderat vom Konzept überzeugt. Die Erstellung der Bewerbungsunterlagen wurde im Januar in Auftrag gegeben. Die Projektsteuerung seitens der Stadt wurde bei der Wirtschaftsförderung angesiedelt. Im Rahmen einer Bürgerinformation wurden die Pläne im April der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt und das Bewerbungskonzept einstimmig durch den Gemeinderat beschlossen. Drei Tage vor Ablauf der Bewerbungsfrist, am 27. April 2009, überreichten Oberbürgermeister und Wirtschaftsförderer die Unterlagen an Gartenbaudirektor Erwin Herrmann im zuständigen Ministerium für Ländlichen Raum in Stuttgart.

Zwei Monate hatten die Stadtverantwortlichen von da an Zeit, sich akribisch auf den Besuch der Bewertungskommission vorzubereiten. Minutiös wurden Programmpunkte und Abläufe geplant und getestet sowie Schlecht-Wetter-Varianten konzipiert. Um die Begeisterung der Wangener für das Thema Landesgartenschau erlebbar zu machen, wurden Gemeinderäte, ehemalige Projektbeteiligte aus Entente Florale, die ERBA-Senioren und im Gelände ansässige Vereine aktiviert und in die Abläufe eingebunden.

Entgegen des ansonsten üblichen Empfangs im Rathaus, bildete die direkte Konfrontation der Jury mit dem ERBA-Gelände den Ausgangspunkt der Rundgangs. Die Mitglieder der Kommission sollten nicht vorrangig die schöne Altstadt oder die intakten Grünflächen präsentiert bekommen, sondern am Haupteingang der ehemaligen Spinnerei die ganze Tristesse eines Stücks niedergegangener Wangener Industriekultur hautnah erleben. Im Schatten des verfallenen Kraftwerkkamins erwarteten dann die geladenen Gäste die Jury zur Vorstellungsrunde. Ein örtlicher Bäcker und Konditor hatte der Stadt zur Begehung eine maßstabsgetreue Torte des Landesgartenschau-Geländes zum Geschenk gemacht. Den Kaffee stellte der in der Nachbarschaft ansässige, portugiesische Kulturverein für die Kommission zur Verfügung. OB und Planungsbüro fassten anschließend in kurzen Worten noch einmal die Wangener Konzeption anhand von Schautafeln zusammen.

Um der Jury einen Gesamteindruck des Geländes zu verschaffen, hatten die Verantwortlichen als nächste Station eine Hubbühne im Gelände positionieren lassen, die den Mitgliedern in 25 Meter Höhe einen perfekten Überblick über das bebaute Areal, den Kanal und die Freiflächen ermöglichte. Danach hatten Kommission und Öffentlichkeit in einer zum Ausstellungsraum umfunktionierten Industriehalle erstmals die Gelegenheit, das beeindruckende Gartenschau-Modell der Fa. Noch zu bestaunen. Anhand eines Powerpointvortrags und eines kurzen Filmbeitrags des Wangener Schmalfilmclubs zu den realisierten Grünprojekten im Rahmen Entente Florale im Jahr 2007, ging OB Michael Lang noch einmal auf die Argumente ein, die für Wangen als Ausrichterstadt sprechen.

Gemeinsam führte der weitere Weg die Kommissionsmitglieder vorbei an verfallenen Wohn- und Sozialgebäuden, an Kleingärten, die von ehemaligen ERBA-Arbeitern seit 30 Jahren gepflegt werden und die im Rahmen einer Landesgartenschau möglichst erhalten und ausgebaut werden sollen. Die Wohnbaracken im Bereich der Auwiesen sollen nach den Ausführungen von OB Lang durch Geschosswohnungsbauten ersetzt werden.

Unterhalb der Gehrenbergsportplätze wird die Argen mit einem Terrassenufer für Besucher erfahrbar gemacht und ein Bürgerpark soll nach dem Willen des OBs Jung und Alt auf einem abwechslungsreichen Erlebnis- und Spielgelände zusammenführen. Symbolisch begrüßten an dieser Stelle Jugendliche des FC Wangen und der Radunion die Kommissionsmitglieder.

Auch der Bienenlehrpfad des Imkervereins, der Meditationsgarten des Franziskaner-Klösterles und das Argenwuhr unterhalb der Isnyer Brücke wurden in den Rundgang integriert. Zu Letzterem sieht das Bewerbungskonzept eine Renaturierung der Alt-Argen durch die Erhöhung der Restwassermenge und den Bau einer Fischtreppe vor. Den Höhepunkt der Begehung markierte dann der öffentliche Empfang auf dem Marktplatz, bei dem mehrere hundert Besucher der Kommission die Wangener Geschlossenheit im Hinblick auf die Bewerbung um die Landesgartenschau demonstrierten. Eine Kindergartengruppe übergab nach kurzer Musikeinlage den Jury-Mitgliedern eine Original-Spinnereispindel aus alten ERBA-Beständen, die vom Wangener Bauhof kurzerhand zur Blumenvase mit Rosenschmuck umgearbeitet worden waren. Eine logistische Meisterleistung des Bauhofs und den Vertretern der Fa. Noch war auch der parallele Transport des Landesgartenschau-Modells zur öffentlichen Besichtigung auf den Marktplatz. Unter musikalischer Begleitung durch die Stadtkapelle bewunderten viele hundert Besucher bis in den Abend hinein die detailgetreue Nachbildung des Geländes und trugen sich in das ausliegende Gästebuch ein. Zeitgleich kamen die Vertreter der Stadt und die Kommission im Innenhof des Spitals zur Abschlussbesprechung zusammen.

Die Jury zeigte sich beeindruckt von den Wangener Bemühungen um die Ausstellung und hatte nach eigenem Bekunden einen sehr guten Eindruck von der Stadt gewonnen. OB Lang und Johann Senner vom gleichnamigen Planungsbüro beantworteten letzte offene Fragen zum Konzept und zur Machbarkeit und ließen keinen Zweifel daran, dass im Falle eines Zuschlags sofort mit der Detailplanung begonnen werden könne.

Den Abschluss des offiziellen Teils bot eine musikalische Darbietung der Argentaler in ihren historischen Gewändern sowie ein Auftritt der Käsekönigin Mona Weber, die die  Kommissionsmitglieder noch mit einigen kulinarischen Spezialitäten des Allgäus vertraut machte. OB Michael Lang zog am Abend des Kommissionsbesuchs eine durchweg positive Bilanz der Wangener Bemühungen im Rahmen der Bewerbung. „Alles hat perfekt geklappt und mein Dank gilt allen Beteiligten für ihre wertvolle Unterstützung!"

Wangen erhält den Zuschlag für das Jahr 2024!

Die Entscheidung ist gefallen. Ende Juni 2010 erhielten die Verantwortlichen der Stadt Wangen die erfreuliche Nachricht, dass die Bewerbung um die Ausrichtung einer Landesgartenschau erfolgreich war. Wangen hat den Zuschlag für das Jahr 2024 erhalten. Wir freuen uns über diese gute Nachricht und bedanken uns beim Land Baden-Württemberg, MdL Paul Locherer und bei allen, die uns auf dem bisherigen Weg zur Landesgartenschau begleitet haben, so Oberbürgermeister Michael Lang im Rahmen einer Pressekonferenz. Die Lösung eines der größten Probleme der Stadtentwicklung rückt damit in greifbare Nähe. Jahrzehnte nach der ERBA-Insolvenz kann Bewegung in das brachliegende Industrieareal am Ortseingang der Lindauer Vorstadt kommen. Ziel ist es nun, zügig in eine Rahmenplanung für das ERBA-Gelände einzusteigen.

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